MEINE MEINUNG: Schluss mit dem Murks – G8 ist gescheitert

(21.11.2012) Seit Jahren hält sich kein bildungspolitisches Thema so hartnäckig in der öffentlichen Diskussion und in den Diskussionen in den Schulen, den Eltern- und Schülervertretungen und in den Familien wie die Frage G-8! Seit meiner Zugehörigkeit zum Landtag habe ich praktisch keine Schüler-Besuchergruppe erlebt, in der die Frage nach G-8 nicht gestellt – und von den Schülerinnen und Schülern gleich selber beantwortet worden wäre. Das Fazit ist immer das gleiche: Die Schulzeitverkürzung in der gymnasialen Mittelstufe ist gescheitert. Sie wird von 90 Prozent der Eltern und von fast allen Fachleuten abgelehnt. Das hat auch die jüngste Anhörung im Hessischen Landtag erneut gezeigt. Daraus kann es nur eine logische Konsequenz geben: die gymnasiale Mittelstufe muss wieder sechsjährig werden.
Die Landesregierung, vor allem die CDU und vor allem der Ministerpräsident, sind angesichts dieser Entwicklung von Panik befallen. Deshalb hat der Ministerpräsident handstreichartig das Ende der bisherigen g-8-Politik des Landes verkündet – übrigens ohne irgendeine Rücksicht auf seine gerade erst ins Amt gekommene Kultusministerin von der FDP. „Wahlfreiheit“ lautet jetzt das Zauberwort, mit dem die hässliche Kröte in einen strahlenden Prinzen verwandelt werden soll.
Nun werden zwar in der Schulpolitik schon immer gerne Märchen erzählt, sie werden aber selten wahr. Deshalb bleibt festzuhalten: Murks bleibt Murks und deshalb ergibt es keinen Sinn, den Schulen freizustellen, zwischen Murks und Nicht-Murks zu wählen oder gar innerhalb ihrer Mauern eine Murks- und eine Nicht-Murks-Abteilung zu haben, also G-8 und G-9 parallel. Deshalb hat die SPD-Landtagsfraktion einen Änderungsantrag zum Gesetzentwurf der Landesregierung vorgelegt, der unsere seit Anfang an klare Position noch einmal bekräftigt: Der Antrag sieht vor, durch eine Änderung in den §§ 24 und 26 des Schulgesetzes die sechsjährige Mittelstufe am Gymnasium wieder zur Regel zu machen Eine Abweichung von dieser Regel soll über eine Verordnungsermächtigung möglich gemacht werden, z.B. für die Einrichtung sog. „Turboklassen“.
Wenn dieser Änderungsantrag eine Mehrheit im Landtag findet, ist die vermurkste Schulzeitverkürzung zum nächsten Schuljahresbeginn Geschichte. Die Umstellung würde auch keine Probleme machen, weil die Jahrgangsstufe 5 in G8 und in G9 praktisch identisch ist. Außerdem haben die Schulen unmittelbar Klarheit und keine Konflikte mit aufwändigen Entscheidungsprozessen auszutragen. Die Alternativen liegen also  auf dem Tisch und jede Fraktion im Hessischen Landtag muss sich entscheiden – ein Wegducken wird es nicht geben. Wir fordern alle Fraktionen im Hessischen Landtag auf, dem Eltern- und dem Schülerwillen durch Zustimmung zum SPD-Antrag zum Durchbruch zu verhelfen.