Merz hört mit – Gut Ding‘ will Prüfstand haben

Gießen. Es ist in der Politik so eingerichtet, dass jedes Ding den ihm gemäßen Platz zugewiesen bekommt und dass es dabei nicht nur zweckmäßig und gerecht, sondern vor allem nach dem dreifachen Motto „Alles an seinem Ort, alles zu seiner Zeit und gut Ding will Weile haben“ zugeht. Deshalb haben die Mächtigen dieser Welt, den Dingen, die sofort zu entscheiden sie keine Lust haben oder noch keine Gelegenheit hatten, einen festen Ort zugewiesen, und dieser Ort ist kein anderer als: der Prüfstand.
Bevor der Prüfstand – auf welchem Weg ist ungewiss – in die Politik migrierte, hatte er sein eher unauffälliges , aber nützliches Dasein in der Welt der Technik gefristet, als „ein Gerät oder eine Vorrichtung, mit dem ein technischer Gegenstand auf seine Eigenschaften reproduzierbar geprüft werden kann“ und dass dazu „auch die entsprechende Sensorik und Steuerung (gehören) um die Eigenschaften generieren und Messwerte protokollieren zu können.“ (Wikipedia)
Nun aber macht ist der Prüfstand der meistfrequentierte Platz in der Politik. Was da alles herumsteht! Vor kurzem wurden z.B. 159 familienpolitische Leistungen, sämtliche Schulgesetze und die gesamte Lehrerbildung dorthin gestellt, wo sie allem Anschein nach immer noch auf die Protokollierung ihrer Messwerte warten. In Frankfurt wurden sämtliche Bürgerhäuser auf den Prüfstand gestellt, ja sogar die Kunst im städtischen Städel-Museum musste sich dorthin begeben. Vor kurzem berichtete die ARD, dass selbst Geist- und Videoheiler auf den Prüfstand gehörten – und wer würde dem widersprechen wollen, wenn man denn sicher wäre, dass dort deren „Eigenschaften reproduzierbar geprüft werden“ könnten. Und von da ist es natürlich nur ein kleiner Schritt hin zu der umfassenden, immer häufiger zu hörenden markigen Forderung: „Alles muss auf den Prüfstand!“
Das alles muss natürlich Bedenken hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Prüfstandes hervorrufen, ja man hört im Geiste schon die Forderung, dass der Prüfstand selbst auf den Prüfstand müsse! Im Grunde müsste sich der TÜV einmal gründlich mit der Zukunft des Prüfstandes befassen und man hätte eigentlich auch ein Wort vom ADAC erwartet, wenn, ja wenn nicht auch dessen Leistungen und Strukturen gerade genau dorthin gestellt werden sollen.
Man wird also weiter damit leben müssen, dass die Prüfstände dieser Welt vollgestellt sind mit Dingen, Problemen und Strukturen, die dort darauf warten, durch ein günstiges Zeitfenster in die Entscheidungskorridore* vorgelassen zu werden, wo man dann auf den Gipfeln und den Runden Tischen an den Stellschrauben – aber davon ein andermal! +++ fuldainfo – gerhard merz – bild: fdi / th-dresden