Gerhard Merz (SPD): Hessen hat bei Kindergartenbetreuung unter westdeutschen Flächenländern die rote Laterne

24.08.2015

Der sozial- und familienpolitische Sprecher der hessischen SPD-Landtagsfraktion Gerhard Merz hat das hessische Ergebnis bei der heute veröffentlichten Studie der Stiftung Bertelsmann „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ als „erwartungsgemäß vollkommen ungenügend“ bezeichnet. „Hessen schneidet bei der Betreuung in den Kindergärten schlechter ab, als alle anderen westdeutschen Flächenländer – nur das Saarland liegt gleichauf. Bei der Krippenbetreuung teilt es sich mit Bayern den vorletzten Platz. Im Durchschnitt muss sich in Hessen eine Erzieherin um 9,8 Kindergartenkinder kümmern. Bertelsmann legt europäischen Standards folgend zu Recht ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis bei 7,5 an. Der Betreuungsschlüssel ist neben der Gruppengröße als solcher Maßstab für die Qualität in der Kinderbetreuung“, sagte der SPD-Politiker am Montag in Wiesbaden.
 
Merz kritisierte, dass die schwarz-grüne Landesregierung Ihrer Verantwortung, ordentliche Voraussetzungen für eine gute Kinderbetreuung zu schaffen, vollkommen unzureichend nachkomme. „Mit dem KiföG wurde der unzureichende Personalschlüssel im Prinzip festgeschrieben, der Eckwert liegt bei 1,75 Fachkräften/25 Kinder. Erschwerend kommt hinzu, dass die Personalbedarfsberechnung durch Umstellung auf die tatsächlich besetzten Plätze erheblich kompliziert wurde und für die Träger und Einrichtungen zu einer erheblichen zusätzlichen Belastung geworden ist. Erste Erfahrungen belegen zudem, dass der auch von der Bertelsmann-Stiftung bemängelte Trend zu befristeten Beschäftigungsverhältnissen verstärkt wurde, auch das trägt nicht zur Steigerung der Qualität bei.“
 
Hinzu komme, dass die sogenannten mittelbaren pädagogischen Zeiten, also die Zeiten, die für wichtige Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung nötig wären, nicht in die Personalbedarfsermittlung nach dem KiföG einbezogen würden. „Rund ein Viertel der Arbeitszeit ist notwendig, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Das hebt auch die Bertelsmann-Studie erneut zu Recht hervor. Dass sie vom Land nicht angerechnet werden, ist kurzsichtig und realitätsfern. Dass Kindergärtnerinnen und Kindergärtner deshalb in Hessen unter starkem Zeitdruck stehen, ist wenig überraschend – dieser Missstand muss behoben werden“, erklärte Merz.
 
Zentrales Problem bleibe aber die nach wie vor vollkommen unzureichende Finanzierung der frühkindlichen Bildung durch das Land. Auch daran habe sich durch das KiföG nichts geändert. „Das Land muss seinen Anteil an den Personal- und Betriebskosten in den Kitas deutlich erhöhen. Es sollte sich dabei an dem bundesweiten Spitzenreiter Baden-Württemberg orientieren. Dort beteiligt sich das Land aufgrund einer Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden zu einem Drittel an diesen Kosten. Unter dieser Messlatte läuft Hessen – wie insgesamt bei der finanziellen Ausstattung der Kommunen - meterweit durch“, so Merz.