Merz hört mit – Flugzeuge in Fenstern und Runde Tische in Korridoren

Fulda/ Gießen. Bisher sind uns die Fenster und die Korridore nur in ihrer zeitlichen Rahmenbedingtheit begegnet. Dabei haben wir auch die Frage des mehr oder weniger engen Strickens der Zeitfensterrahmen erörtert. Fenster und Korridor erscheinen hier als verwandt und als eng, begrenzt und begrenzend. Dabei sind sie doch auch große Ermöglicher. Das Fenster z.B. kam ja gerade als „window of opportunity“, als „Fenster der günstigen Gelegenheit“ zu seinen ersten vielbeachteten Auftritten auf der großen Bühne der Phrasen. Auf allen wichtigen Schauplätzen der Weltpolitik wurde es gesichtet, einladend offenstehend und helles Licht und frischen Wind in die dahinter befindlichen Korridore hereinlassend. Natürlich gab es auch „Entscheidungsfenster, die in den nächsten vier Wochen definitiv zulaufen“ (so ein SPD-Landtagsabgeordneter), oder „immer enger gezogene Zeitfenster, in dem Maschinen starten und landen dürfen….“ (so die Wirtschaftswoche vom 2. Dezember 2013), dergestalt immer noch auf die alten enggestrickten Zeitfenster verweisend, aber das Positive drängte doch mit Macht nach vorne: „Es gibt manchmal ein Fenster, da kann man Entwicklungen anstoßen.” (V. Bouffier, Hess. Ministerpräsident, FAZ vom 1. Dezember2013)
Die Korridore hinwiederum, die bisher als „Zeitkorridore“ eine ähnliche beengende Rolle wie die „Zeitfenster“ oder als „Zahlenkorridore“ eine rhetorische Nebenrolle gespielt oder als „Korridore der Macht“ eher das düstere sprachliche Schicksal der sprichwörtlichen „Hinterzimmer“ geteilt hatten und auf die dunkle Seite der Macht zu gehören schienen, diese Korridore also profitierten, die schon bestehende symbiotische Beziehung zwischen Fenster und Korridor ausnutzend, von den geöffneten Fenstern der Gelegenheit: sie wurden zu den Orten, zwischen deren Wänden die Entscheidungen darauf warten, getroffen zu werden.
Ihre große Stunde schlägt stets dann, wenn schwierige Fragen zu lösen sind. Dann werden „die Entscheidungskorridore definiert“, hier und nur hier sind die Lösungen für die großen Menschheitsfragen zu finden. Wenn es Hoffnung gibt, dann hier in den Korridoren, in denen vor den geöffneten Fenstern der Gelegenheit die großen Gipfeltreffen stattfinden und die Runden Tische stehen, an denen die Großen und die Mächtigen am sausenden Webstuhl der Zeit…, aber das hatten wir schon….. Andererseits muss doch auch in den Entscheidungskorridoren mit beengten Verhältnissen gerechnet werden: „Denn der Korridor könnte ja von unten her gesockelt und von oben her gedeckelt werden.“* Machen Sie das mal mit einem Fenster! *Vgl. dazu bereits Kolumne 3 “Fenster, Raster, Schiene, Korridor – Am sausenden Webstuhl der Zeit!” +++ fuldainfo / gerhard merz