Merz hört mit – Fenster, Raster, Schiene, Korridor – Am sausenden Webstuhl der Zeit!

Fulda/ Gießen. In der ersten Ausgabe dieser Kolumne haben wir gelernt, dass man Fensterrahmen stricken kann, insbesondere Zeitfenster-Rahmen, denn das Zeitfenster  ist fast immer „eng gestrickt“. Unklar geblieben ist der Zusammenhang von „Rahmen“, „Fenster“ und „Zeit“, also die Frage, ob der gestrickte Fensterrahmen als bedingender Rahmen – also als Rahmenbedingung – das Fenster einrahmt oder die Zeit. Offen geblieben ist, ob die und wenn ja wieviel Zeit durch ein solcherart eng gestricktes Fenster geht und ob es dabei ähnlich zugeht, wie wenn das berühmte Kamel durch das Nadelöhr geht, ob also eher ein Politiker in den Himmel (gewissermaßen in das ewige Zeitfenster) kommt als die Zeit durch das Fenster, ob die Zeit durch das Fenster hinein- oder eher herausschaut oder ob es nicht vielmehr so ist, dass man „das Zeitfenster immer im Gesicht haben“ muss (MdL Hugo Klein, CDU, 7.4.2011)? Unklar ist auch, ob man ein eng gestricktes Zeitfenster einerseits „sprengen“ (Jerusalem Post, 7.3.2012), anderseits „maximal ausschöpfen“ (MdL T. Spies, SPD, 5.11.2013) muss und was ein „mediales Zeitfenster“ (MdL T. Schäfer-Gümbel, SPD, 22.1.2013) ist.
Als wäre dies nicht schon kompliziert genug, sind auch noch ganz andere Fragen aufgeworfen, denn neben dem „Zeitfenster“ treiben sich auch noch Zeitschiene, Zeitraster und Zeitkorridor im Raum-Zeit-Kontinuum herum. „Können Sie die Zeitschiene eingrenzen?“ (MdL G. Rudolph, SPD, 26.2.2013) Ja, das möchte man wissen. Aber ob der Zeitkorridor „von unten her gesockelt und von oben her gedeckelt“ werden kann ((Prof. Friedhelm Hengsbach SJ, 5.5.2006), die Frage wird sicher auf ewig unbeantwortet bleiben, denn die Antwort würde jedes Zeitfenster sprengen und wäre ein Schlag ins Gesicht all derer, die es –nämlich das Zeitfenster –dort – nämlich im Gesicht – haben. Und „so schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit, und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.“ (Goethe, Faust) Andererseits: „Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt.“ (Dieter Thomas Kuhn). +++ fuldainfo / gerhard merz